Themenschwerpunkt 3

Mehrsprachigkeit als Ressource

Koordination:

Dr. Simone Amorocho (PH Freiburg): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Prof. Dr. Gabriele Kniffka (FaDaF, PH Freiburg): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!   

Holger Schiffel (Universität Kassel): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

 

Die moderne Lebenswelt ist durch Mehrsprachigkeit gekennzeichnet. Insbesondere junge Menschen in urbanen Lebensräumen, so zeigen neuere soziolinguistische Studien (vgl. Auer/Wei (Hrsg.) 2009), wenden plurilinguale Praktiken an, die beispielsweise mit den Begriffen „Language Crossing“/„Sprachliche Kreuzungen“, „Interkomprehension“ oder „Polylanguaging“ bezeichnet werden. Dabei setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Mehrsprachigkeit nicht einfach bedeutet, mehrere Sprachen zu beherrschen, sondern dass sich mehrsprachige Kompetenzen durch den flexiblen Einsatz aller einem Individuum zur Verfügung stehenden sprachlichen Ressourcen auszeichnen.

Trotz ihrer Bedeutung für die Individuen selbst werden plurilinguale Ressourcen in schulischen und außerschulischen Bildungsprozessen bislang kaum gewürdigt, geschweige denn gefördert. Damit bleiben wertvolle Ressourcen für das Lehren und Lernen ungenutzt und mehrsprachige Schüler*innen werden marginalisiert, mit erheblichen negativen Folgen für ihren Bildungserfolg.

In diesem Themenschwerpunkt soll der Fokus auf Mehrsprachigkeit und plurilingualen Praktiken in unterrichtlichen Kontexten und Bildungsprozessen liegen. Erwünscht sind Beiträge zu Fragestellungen wie

  • Wie lassen sich „plurilinguale Repertoires“ als didaktisches Kapital nutzen? Wie lassen sich Herkunftssprachen funktional in unterrichtlichem Kontext einsetzen?
  • Welche plurilingualen Kompetenzen sind im FREPA (Framework of Reference for Pluralistic Approaches to Languages and Cultures) und im Companion Volume des GER formuliert und wie lassen sich diese systematisch vermitteln?
  • Welche plurilingualen Praktiken werden im DaF/DaZ- Unterricht eingesetzt, um den Zweitspracherwerb zu unterstützen?
  • Wie lassen sich plurilinguale Ressourcen für das fachliche Lernen funktionalisieren?
  • Inwieweit kann der Rückgriff auf plurilinguale Praktiken dazu beitragen, Sprachbewusstheit mit Hinblick auf Mehrsprachigkeit zu stärken und eine positive Einstellung gegenüber Mehrsprachigkeit zu fördern?
  • Welche Erkenntnisse gibt es bezüglich der Einstellung von Lehrkräften und Ausbilder*innen zu Mehrsprachigkeit und mehrsprachigen Praktiken in Schule, Ausbildung und am Arbeitsplatz?
  • Welche didaktischen Konzepte zu Mehrsprachigkeit und Translanguaging gibt es und inwieweit ist die Wirksamkeit solcher didaktischen Ansätze im Hinblick auf Lernerfolg empirisch erforscht?
  • Welche Ansätze gibt es, um Mehrsprachigkeit fächerübergreifend zu fördern? Wie können bzw. sollten die (Fremdsprachen-)Didaktiken zusammenarbeiten, um mehrsprachige Bildungsprozesse zu modellieren?

Literatur:

Abendroth-Timmer, D. & Hennig, E.M. (Hrsg.) (2014): Plurilingualism and Multiliteracies: International Research on Identity Construction in Language Education. Frankfurt am Main u.a.: Lang.

Auer, P. & Wei, Li (Hrsg.) (2009): Handbook of Multilingualism and Multilingual Communication. Berlin u.a.:  de Gruyter.

Bonnet, A. & Siemund, P. (2018): Multilingualism and foreign language education: a synthesis of linguistic and educational findings. In: Bonnet, A./Siemund, P. (Hrsg.): Foreign Language Education in Multilingual Classrooms. Amsterdam: John Benjamins, 1-29.

Elsner, D. (2015): Inklusion von Herkunftssprachen: Mehrsprachigkeit als Herausforderung und Chance. In: Bongartz, Christiane M./Rohde, Andreas (Hrsg.): Inklusion im Englischunterricht. Frankfurt am Main u.a.: Lang, 71-94.

Fäcke, Ch. & Meißner, F.J. (Hrsg.) (2019): Handbuch Mehrsprachigkeits- und Mehrkulturalitätsdidaktik. Tübingen: Narr.

Fürstenau, S. (2016): Mehrsprachigkeit im Unterricht. Warum sprachliche Vielfalt eine Bereicherung ist, und wie eine Schule sich darauf einstellen kann. In: Die Grundschulzeitschrift, 294/2016, 29-31.

García, O. & Wei, L. (2014): Translanguaging: Language, bilingualism, and education. London: Palgrave Macmillan Pivot.

Meier, G. (2014): Our Mother Tongue is Plurilingualism: A Framework of Orientations for Integrated Multilingual Curricula. In: Coneth, J./Meier, G. (Hrsg.): The Multilingual Turn in Language Education. Opportunities and Challenges. Clevedon, Multilingual Matters.

Studer, Th. (2020): Jetzt skaliert! Plurikulturelle und mehrsprachige Kompetenzen im erweiterten Referenzrahmen. In: Deutsch als Fremdsprache 57/1, 5-26.

Rosenberg, P. & Schröder, Ch. (Hrsg.) (2016): Mehrsprachigkeit als Ressource in der Schriftlichkeit. Berlin u.a.: de Gruyter.

Van Avermaet, P. et al. (Hrsg.) (2018): The Multilingual Edge of Education. London: Palgrave Macmillan.

Warner, Ch. (2020): Was heißt hier plurikulturelle und plurilinguale Kompetenz? Konzeptionen von interkultureller Bildung und Mehrsprachigkeit im europäischen Referenzrahmen und im US-amerikanischen Fremdsprachenunterricht. In: Deutsch als Fremdsprache 57/2, 67-78.

Wiese, H., Mayr, K., Krämer, Ph., Seeger, P., Müller, H.G. & Mezger, V. (2015):  Changing teachers’ attitudes towards linguistic diversity: effects of an anti-bias programme. International Journal of Applied Linguistics 27/1, 198-220.

 

Das bedeutet: Senden Sie uns bis zum 15.02.2021 Ihren Vorschlag für einen Beitrag im Themenschwerpunkt mit einem Abstract (von ca. 20 Zeilen Länge). Die Einreichung erfolgt ausschließlich über das Online-Formular. Abstracts, die direkt an die Betreuer*innen des Themenschwerpunkts gehen, werden NICHT berücksichtigt! Die Betreuer*innen stehen aber gern für Rückfragen zur Verfügung.